Bremerhaven. Zwei Stunden lang gezielte Angriffe und Abwehren auf spezielle Punkte am Körper: Das musste der Cheftrainer des GTV Bremerhaven, Manfred Schramm, bei seiner Prüfung zum zweiten Dan im Ryu Kyu Kempo / Okinawa Karate vor den Augen von Thomas Peter, 7. Dan im Zendoryu-Karate, präsentieren. Für Schramm war die Prüfungssituation nichts ganz Neues: Er ist außerdem Träger des 5. Dan im Wado-Ryu-Karate. Mit dem jetzt abgelegten neuen Gürtelgrad verbindet er die japanische Kampfkunst mit ihren Wurzeln, die auf der Insel Okinawa liegen.

Kyusho Jitsu nennt sich die spezielle Form, das Wissen um die Stimulation der sogenannten Vital-Punkte. „Das sind Punkte, die auf dem Körper verteilt liegen“, erläutert Schramm, der sich seit Jahren auch mit der traditionellen chinesischen Medizin beschäftigt und dabei die asiatische Vorstellung des Körpers kennen gelernt hat. „Durch den Körper fließt eine Energie, das Chi“, sagt der frühere Lehrer. Greift man nun diese spezielle Punkte auf eine festgelegte Art und Weise an, so kann man einen Angreifer ohne großen Aufwand schachmatt setzen.

„Karate ist in seinem Ursprung und seinem Kern Selbstverteidigung“, sagt Schramm, der früher auch erfolgreicher Wettkämpfer gewesen ist. Heute beschäftigt er sich weniger mit dem sportilichen Vergleich Mann gegen Mann, sondern mit der ursprünglichen Trainingsform, der Kata. Hier sind bestimmte Techniken und Abläufe festgelegt. „Das hat alles seine Bedeutung“, erläutert Schramm. Zum einen übt man oberflächlich die korrekte Ausführung der Techniken, Stände und Wendungen. Analysiert man die einzelnen Sequenzen aber tiefer, so sind Handlungsanweisungen für verschiedenste Angriffssituationen enthalten. „Hier ist das gesamte Selbstverteidigungssystem enthalten“, so Schramm. Nicht umsonst habe man früher gesagt, dass man für der wirkliche Erlernen einer Kata drei Jahre benötigt.

Deshalb konzentriert er sich inzwischen auf nur wenige Kata, statt alle im Detail zu üben. „Für das Verständnis ist oft weniger mehr“, sagt Schramm. Gleichwohl müssten Karateka sich beim Erlernen der Kampfkunst breit interessieren und trainieren. Sein Wissen gibt er inzwischen nicht nur im eigenen Dojo weiter, sondern auch auf verschiedenen Lehrgängen in Nordwestdeutschland. Außerdem fungiert er als A-Prüfer im Deutschen Karate Verband e.V. (DKV) und darf damit Schwarzgurt-Prüfungen ablegen. Da es auch Verbindungen zwischen dem Kyusho zum chinesischen Qigong gibt, ist es für Schramm zudem logisch, auch hier tätig zu sein: Er ist auch Qigong-Trainer.

Category
Tags

No responses yet

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.